Alkohol und seine körperlichen Schäden

Wie sagte Paracelsus: „Auf die Dosis kommt es an!“

Insgesamt werden mit Alkohol 250 Erkrankungen in Verbindung gebracht (*). Alkohol dringt in jede der vielen Milliarden Körperzellen des Menschen ein und entzieht ihnen das (über)lebensnotwendige Wasser (Mineralstoffe, Elektrolyten, Vitamine). Die Liste der möglichen Schädigungen ist lang und endet für jeden der in der chronischen Phase mit dem Trinken nicht aufhört mit einem vorzeitigen und (meist häufigen) qualvollen Tod (insbesondere bei Leberzirrhose).

(*) Lindenmeyer: Das Buch „Lieber schlau als blau“.

Wie Alkohol den Körper schädigt: 

Rund 9,5 Millionen der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland konsumieren Alkohol in riskantem Umfang. Etwa 8 Millionen von ihnen betreiben schweren oder sind bereits chronisch abhängig. Schätzungen zufolge sterben pro Jahr etwa 74.000 Menschen durch Alkoholkonsum.

Gehirn: Alkohol beeinträchtigt jede Funktion des Körpers. Im Gehirn vor allem das Frontalhirn welches u.a. die Impulskontrolle hat. Es steuert, welche Emotionen aus tiefer liegenden Regionen des Gehirns hervortreten. Das Frontalhirn reguliert auch tiefer liegende, unaufgearbeitete Konflikte oder depressive Grundneigungen, erhöhtes prinzipielles Aggressionspotential. Das sind Dinge die genetisch oder aus der Lebensgeschichte stammen und ihre Kontrolle ermöglichen uns ein sozial verträgliches und realitätsangepasstes Verhalten zu haben. Und regulieren auch sehr stark die Affekte, also die Emotionen. Wenn das Frontalhirn beeinträchtigt ist, dann werden diese Funktionen außer Kraft gesetzt und dann kommt es zu Erscheinungen die man sonst im normalen Leben nicht hat. 

Auch kann man davon ausgehen das bei jedem Vollrausch Gehirnzellen absterben und es bei Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen zur sogenannten Hirnatrophie (Hirnschrumpfung) kommt. Zwar ist es möglich dass diese Funktionen der abgestorbenen Zellen von sogenannten Reservezellen erlernt und übernommen werden, dies setzt jedoch eine lebenslange Abstinenz voraus.

Mundschleimhaut/Kehlkopf: Eine Heidelberger Fallkontrollstudie zeigen, daß das Risiko, an einem Mundhöhlen- oder Kehlkopfkarzinom zu erkranken, bei einem täglichen Alkoholkonsum von 75 bis 100 Gramm um mehr als das 16fache und bei über 100 Gramm um das 19fache ansteigt. Die höchsten Risikowerte wurden für den Rachenkrebs gesehen. Für den Konsum von mehr als 100 Gramm Alkohol pro Tag wurde ein relatives Risiko von 210 geschätzt. 

Magen: Die Magenschleimhautentzündung ,das Magengeschwür und letztendlich der Magenkrebs sind oftmals Folge von regelmäßigem erhöhtem Alkoholkonsum. Symptome wie Magenschmerzen, Übelkeit Erbrechen bis hin zum Erbrechen von dunklem Blut (Kaffeesatz- immer ein Anzeichen für eine Blutung im Magen) sind bei alkoholkranken Menschen häufig zu beobachten. Wechselwirkungen Alkohol - Stress - Alkohol. Schmerzmittel wie 'Aspirin' oder 'Alka Seltzer' erhöhen das Risiko noch zusätzlich. 

Darm: Akuter Alkoholmißbrauch kann im Dünndarm eine Schädigung der Schleimhaut bewirken. Dadurch entstehende Entzündungsprozesses führen in der Regel zu Durchblutungsstörung in diesem Bereich. Symptome dieses Prozesses sind unter anderem neben Schmerzen in der Dünndarmregion, Durchfällen, Mangelernährung und Gewichtsverlust. 

Übermäßiger und chronischer Alkoholgenuss erhöht das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen bei weitem. So wurde nachgewiesen das die Gefahr an Darmkrebs zu erkranken um ein vierfaches erhöht ist. 

Reflux: bedeutet Rückfluß wobei es sich um das Aufsteigen von Magensaft in die Speiseröhre handelt. Das Symptom ist weitläufig als Sodbrennen bekannt. Bei häufigem Reflux kommt es zu Schäden der Speiseröhrenwände und daraus resultierenden Blutungen. 

Speiseröhre: Krampfadern in der Speiseröhre, die sogenannten Ösophagusvarizen, sind häufig ein Symptom für eine starke Leberschädigung. Die Gefahr das diese Krampfadern platzen und zu eine „Blutsturz“ führen sind hoch und führen häufig zum Tod.

Herz-Kreislauf: Grundsätzlich schädigt Alkohol bei genügender Konzentration jede Körperzelle, weil er den Zellen Wasser entzieht. 

Bei höherem Alkoholkonsum (30 g/Tag) steigt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinsuffizienz, Hypertonie, Schlaganfall, plötzlicher Herztod.  

Überhöhter Blutdruck findet seine Ursache oftmals in regelmäßigem unkontrolliertem Alkoholkonsum, auch ist bekannt das der Alkohol die Blutfett erhöht was wiederum zu Übergewicht führt. Betrachtet man nun diese Faktoren im Zusammenspiel, erkennt man dass die Gefahr an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkranken geradezu vorprogrammiert sind. 

Bauchspeicheldrüse: Etwa 80% aller Bauchspeicheldrüsenentzündungen sind auf chronischen Alkoholkonsum zurück zu führen. Wobei der Alkohol und seine Abbauprodukte das Gewebe direkt schädigen. Diese Gewebsschädigungen führen letztendlich zu akuten und chronischen Entzündungen, Pankreatitis genannt, und kann bis zum Bauchspeicheldrüsenkrebs führen. Eine weitere Folge der Schädigung ist die Erkrankung an Diabetes. 

Leber: Der von Magen und Dünndarm aufgenommene Alkohol wird über das Kreislaufsystem im ganzen Körper verteilt und von der Leber, die über die entsprechenden Eiweiße (Enzyme genannt) verfügt, wieder abgebaut. In der Regel verfügt der Körper über ausreichende Abbaumechanismen zur Entgiftung der anfallenden schädlichen Stoffwechselprodukte.

Bei chronischem Alkoholkonsum jedoch, ist das Entgiftungssystem der Leber überlastet und es kommt zu einer direkten Schädigung der Leberzellen durch das vermehrt anfallende Abbauprodukt Acetaldehyd. Die Leberzellschädigung verläuft in den nachfolgenden 3 Stufen:

Fettleber: Fett als Abbauprodukt des Alkohols kann nicht mehr vollständig abtransportiert werden und wird zwischen den Leberzellen eingebaut. Das Volumen der Leber kann sich verdoppeln. Da die Leber keine Schmerzzellen hat, bleibt dies oft lange unbemerkt, kann aber an den erhöhten Gamma-GT-Werten erkannt werden (normal GGT 8-28, erhöht über 30 bis über 100 - 200), auch ist es möglich die Vergrößerung zu tasten. Bei Abstinenz bildet sich die Fettleber vollständig zurück. 

 

Leberentzündung: (Hepatitis): Hier unterscheidet man 2 Formen: 

  • die chronisch persistierende
  • die chronisch aktive

verläuft die 1. Form nahezu symptomlos, zeigt die aktive Form oftmals stark ausgeprägte Symptome, wie gelbfärbung der Haut (Gelbsucht-Ikterus), Appetitlosigkeit, Übelkeit, Völlegefühl, Gewichtsabnahme. Fieber und Verschlechterung des Allgemeinzustandes Solange die Leberzellen noch nicht zu narbigem Bindegewebe umgebaut sind, kann das Organ seine Funktionsfähigkeit wiedererlangen. Während die Prognose bei der chronisch-persistierenden Form recht gut ist, erscheint sie bei der chronisch-aktiven abhängig vom Krankheitsstadium: Kann bei strikter Abstinenz einerseits eine völlige Rückbildung der Symptome erfolgen, ist andererseits bei zunehmenden Ikterus ein Übergang ins Leberkoma oder in die Zirrhose möglich.

Leberzirrhose: Sie ist das Endstadium der alkoholbedingten Lebererkrankungen und verläuft immer tödlich. Es kommt zum Untergang des Lebergewebes und Bildung von knotigen Veränderungen sowie von Bindegewebe (man spricht von Fibrosierung). Diese narbigen Areale können mehr als 50 % des gesamten Gewebes einer zirrhotischen Leber einnehmen. Dadurch ist die Durchblutung der Leber gestört. Durch einen nun entstehenden Blutstau im Bereich der Pfortader kommt es zur Ausbildung weiterer Krankheitssyptome wie Aszitis (Wasseransammlung im Bauch), Krampfadern in der Speiseröhre (s.o.) und Vergrößerung der Milz. Durch die krankhafte Veränderung der Organe entsteht zusätzlich eine Störung der Blutgerinnung.

Nerven:  Am häufigsten findet man das Wernicke-Korsakow-Syndrom. Hierbei handelt es sich um die Kombination 2er Krankheitsbilder.

  • Wernicke-Enzephalopathie: Ursache ist ein Vitamin B Mangel der zu Störungen im Kohlenhydratstoffwechsel führt. Die Folge ist ein anschwellen des Gehirns durch Wassereinlagerungen. Symptome dieser Veränderung sind Gedächtnisverlust, Psychose, Verwirrtheit und Konfabulationen (Erinnerungslücken werden mit phantasierten Ereignissen „gefüllt“), Desorientierung, Gang- und Standunsicherheit Augenbewegungsstörungen und Augenmuskellähmungen 
  • Korsakow-Syndrom: Allgemein spricht man von Gedächtnisstörungen, die jedoch in einer stark ausgeprägten Form verlaufen. Hierbei handelt es sich häufig sowohl um eine retrograde (zurückliegend)- als auch um eine anterograde  Amnesie (reduzierte Merkfähigkeit). Die Merkfähigkeitsstörung kann so ausgeprägt sein, dass es dem Patienten nicht möglich ist, sich Sachverhalte selbst für Sekunden einzuprägen. Des Weiteren verknüpfen die Patienten oft unbewusst ihre Erinnerungslücken an jetzige Ereignisse mit alten Erinnerungen. Häufig führen die Beeinträchtigungen dazu das sich der betroffene örtlich und zeitlich nicht mehr zurechtfindet. 

Alkohol-Polyneuropathie: Hierbei werden die peripheren Nerven geschädigt. Dies geschieht einerseits durch fehlendes Thiamin, welches von den Nerven im Gehirn wie auch im peripheren Nervensystem benötigt wird andererseits wirkt der Alkohol selbst als Nervengift und greift die Nervenbahnen an Erste Symptome sind Taubheit, Kribbeln und Schmerzen in den Füßen, Beinen und/oder Händen. Im weiteren Verlauf kommt es zu starke Schmerzen an den Beinen, häufig auch Muskelkrämpfe und Wadendruckschmerzen.  

Sexual-Hormone: Die Wirkung von Alkohol beim Mann ist gekennzeichnet durch die Verminderung des Testosteronspiegels bei gleichzeitigem Anstieg des Körperöstrogens.

Chronische Alkoholtrinker werden daher gleichzeitig die Symptome eines Testosteronmangels und eines Östrogenüberschusses aufweisen: Libidoverlust, Potenzprobleme, Entwicklung einer Gynäkomastie (Brustvergrößerung), Förderung der Entstehung des Prostatakarzinoms, Muskelabbau, Fettaufbau und „Feminisierung“ der Psyche.

Die Wirkung des Alkohols auf den Hormonhaushalt von Frauen hat zur Folge, dass vermehrt das männliche Hormone Testosteron gebildet wird. Dies hat auf lange Sicht eine Vermännlichung zur Folge, die sich zum einen in einer Zunahme der Körperbehaarung und vermehrtem Haarausfall zeigt, zum anderen zu Menstruationsstörungen und letztendlich zur Unfruchtbarkeit führt. 

Psyche: Alkohol macht depressiv und führt zur Isolation und inneren Einsamkeit. Deshalb haben Alkohol und Depressionen eine nahe Verbindung zu einander. Dessen ungeachtet kann eine Depression auch zum Alkohol führen. Oftmals kommt es deshalb zur Anwendung von Antidepressia ohne die Ursache zu behandeln.